Marc Friedrich vs. Andreas Beck

Bis spätestens 2023 steht uns ein Crash bevor!

Marc Friedrich

Crash-Prophet Marc Friedrich im Streitgespräch mit Dr. Andreas Beck

Marc Friedrich ist ein Sachbuchautor, Finanzexperte und zählt zu den sogenannten Crash-Propheten. Auf seinem YouTube-Kanal beschäftigt sich der Redner mit Fragen rund um Finanzen und Wirtschaft. Und mit seinen Theorien, weshalb es in den nächsten Jahren einen Börsencrash geben und der Euro Europa spalten wird. Diesen Spekulationen entgegen steht der Mathematiker und Vermögensverwalter Dr. Andreas Beck. 

Die kapitalistische Wirtschaft ist ein komplexes System, welches sich bei Schocks neu ausrichtet. Ein totaler Zusammenbruch ist nicht prognostizierbar – so Beck. Eine spannende Diskussion zwischen Marc Friedrich und Andreas Beck liefert interessante Einblicke in die wirtschaftliche Lage, in der wir uns befinden. Und mögliche Crash-Szenarien, für die es scheinbar gar keine Alternativen geben wird. Oder etwa doch?

Marc Friedrich: „Bis spätestens 2023 steht uns ein Crash bevor“

Marc Friedrichs These zu einem möglichen Crash stützt sich mitunter auf den Schuldenständen und dem Euro. Er ist der Überzeugung, dass bis 2023 eine weitreichende Krise kommen wird, die das System massiv ins Wanken bringt. Seiner Theorie nach wird der Euro auseinanderbrechen und die Schuldenstände nicht mehr haltbar sein.

Dr. Andreas Beck sieht die von Marc Friedrich diagnostizierten Probleme, hält es aber für grundsätzlich unmöglich hier mit Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Die Zukunft ist ergebnisoffen und ob Probleme eskalieren, hängt von unseren zukünftigen Handlungen ab. Die Gesellschaft ist lernfähig und reagiert jedes Mal anders. Daher ist es auch nicht möglich, ein zukünftiges Szenario mit Wahrscheinlichkeiten zu belegen.

Was spricht dagegen, dass der Euro auseinanderbricht?

Es gibt zwei mögliche Szenarien, wie der Euro auseinanderbrechen kann. Entweder treten Länder aus und der Euro wird zerlegt, wobei wieder alte oder neue Währungen eingeführt werden. Oder der Euro wertet zu anderen Währungen stark ab, was zu einer hohen Inflation führt. Marc Friedrich geht davon aus, dass die Menschen dem Euro das Vertrauen entziehen werden. Das führt dazu, dass der Wert des Euros massiv sinkt. 

Als Beispiel für diesen Zusammenbruch führt Marc Friedrich die argentinische Staatspleite 2001 an. Beck hält dagegen, dass sich dafür kaum Anzeichen erkennen lassen. Die überwiegende Mehrheit würde sonst ihre Reserven auf dem Konto in US Dollar oder andere Währungen umschichten.

Dennoch geht Marc Friedrich davon aus, dass der Euro in den nächsten drei Jahren scheitern wird. Als Argumente für den Zusammenbruch führt Friedrich an, dass Währungsunionen in der Geschichte noch nie funktioniert haben. Dass es auch in der Eurozone mit ihren unterschiedlich starken Volkswirtschaften nicht klappt, zeigen mitunter der anhaltende Niedrigzins und der Dauerkrisenmodus der Europäischen Zentralbank. 

Andreas Beck stimmt dem Crash-Propheten zu, dass der Euro schlecht funktioniert. Doch sind geringe Währungsschwankungen elementar, um eine Weltwirtschaft zu schaffen. Und dies spricht für ein einheitliches Währungssystem wie den Euro.

Fiatgeld – ein Problem, das die Weltwirtschaft betrifft

In einem nächsten Schritt umfasst die Crash-Theorie von Marc Friedrich nicht nur den Euro, sondern alle Währungen von Pfund bis zum US-Dollar. Er sieht die Problematik darin, dass es sich dabei um Fiatgeld handelt – eine Währung, deren Wert nicht an den Preis von Materialien wie Gold gebunden ist. Es ist ein Versprechen der Regierung oder Zentralbank, dass dieses „Geld ohne inneren Wert“ gegen Güter eingetauscht werden kann. Daher basiert der Wert des Fiatgeldes größtenteils auf dem Vertrauen der Bevölkerung zum Herausgeber. Und dieses Vertrauen nehme immer weiter ab.

Todessignal für Friedrich: 130 Prozent Staatsverschuldung zum BIP

Marc Friedrich betrachtet die Staatsverschuldung, die mit 130 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt steht, als klares Todessignal für die Wirtschaft. Er argumentiert diese Theorie weiter, dass heutzutage ein Handwerker keine 5-köpfige-Familie mehr ernähren kann, was noch vor 40 Jahren möglich war. Wohingegen die Reichen immer reicher werden und die Kluft zwischen Arm und Reich massiv zunimmt.

Andreas Beck stimmt der Problematik der Volkswirtschaft zu. Doch sieht er keinen drohenden Crash. „Wenn man sich die Wirtschaft im Gesamten anschaut, haben wir eine Überproduktion an Geld. Aber wir haben auch eine Überproduktion an Gütern“, so Beck. Aus diesem Grund sieht Dr. Andreas Beck kein nachhaltiges Inflationsproblem in der Überschuldung der Staaten. 

Die Zinszahlungen sind für die Länder auf einem niedrigen und wenig belastenden Niveau. Beck sieht die Problematik vielmehr darin, dass die Gesellschaften durch die expansive Geldpolitik ungerechter werden. Reiche Menschen können ihr Eigenkapital mit den billigen Krediten hebeln. Das betrifft insbesondere den Immobilienmarkt. Der Rest der Gesellschaft kann nicht die Sicherheiten bieten, um an die billigen Kredite zu kommen und es wird für Normalverdiener immer schwieriger überhaupt Eigentum erwerben.

Wird es nun zu einem Crash kommen?

Die hohe Staatsverschuldung zum BIP und der drohende Auseinanderbruch des Euros sind für Marc Friedrich eindeutige Indikatoren, dass uns eine Krise bevorsteht. Auch argumentiert er damit, dass die Menschen vermehrt auf die Straße gehen und das System, so wie es jetzt ist, nicht mehr akzeptieren. Die Bürger könnten das gesamte Wirtschafts- und Geldsystem zum Kippen bringen, da ihr Vertrauen darin geschwächt ist.

Dr. Beck stimmt Friedrich in diesen Punkten nicht zu. Er sieht den Kipppunkt nicht, an dem der Zusammenbruch stattfinden wird. Die Produktion sowie die Gesellschaft funktionieren – auch wenn sie besser funktionieren könnten, so Beck. Und die Theorie eines Zusammenbruchs stützt sich immer auch darauf, dass eine Güterknappheit besteht. Was aufgrund unserer Überproduktion nicht annähernd der Fall ist. Er sieht vielmehr, dass Wählermehrheiten eine neue Politik und damit ein neues Vorgehen fordern werden. Und dadurch kann es zu weitreichenden Veränderungen in der Volkswirtschaft kommen.

Zudem ist die Europäische Staatsbank in der Lage, einen Crash abzuwenden. Die EZB könnte anstelle eines Schuldenschnitts die in ihrem Besitz befindlichen Staatsanleihen in 1000-jährige Zerobonds umstrukturieren. Dabei handelt es sich um Anleihen, die nicht laufend verzinst werden. „Dann kommt der Zusammenbruch erst im Jahr 3020“ scherzt Beck. In der Staatsverschuldung sieht er aktuell kein vorrangiges Problem.

Marc Friedrich hält an seiner Theorie fest, dass wir ein neues Geldsystem brauchen und bis 2023 die große Krise kommt.  Ob uns tatsächlich ein Crash bevorsteht oder nicht, darüber kann sich auch Dr. Andreas Beck nicht sicher sein. „Ich weiß nicht, ob ein Crash kommt. Aber was ich weiß, ist, dass wir beide nicht wissen, ob einer kommt.“ So Beck abschließend.

Das komplette Streitgespräch Friedrich vs. Beck auf YouTube

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