Anlageprodukte

Hebelprodukte sind eine Form von Wetten. Aber es spielen nicht Laien gegen Laien, sondern Privatanleger gegen Investmentbanker. In der Regel gewinnen die Laien dieses Spiel bislang nicht, aber vielleicht ist das Unternehmen Gamestop ein „Gamechanger“

Dr. Andreas Beck, Portfoliomanager

Welche Anlageprodukte gibt es an der Börse?

An der Börse lässt sich nicht nur mit Aktien und Wertpapieren handeln. Es gibt zahlreiche weitere Güter, die überall auf der Welt gehandelt werden. Diese werden in sogenannte Anlageklassen eingeteilt. Dabei unterscheiden sich nicht nur die Produkte selbst, sondern auch die Risikoprofile und Ertragsstrukturen. Wer an der Börse handeln möchte, muss somit wissen, welche Arten von Anlageprodukten es gibt und wie sich diese unterscheiden.

1. Aktien: Hohes Risiko - hohe Chance

Aktien sind Wertpapiere, die Anteile eines Unternehmens verbriefen. Kapitalgesellschaften nutzen dieses Finanzierungsinstrument, um sich Geldmittel zu beschaffen. Denn dabei verkauft das Unternehmen Anteile der Firma und erhält dafür den zugesprochenen Geldwert. Wie hoch der Wert einer Aktie ist, wird im Wesentlichen von Angebot und Nachfrage bestimmt.

Durch den Besitz der Aktie werden die Ankäufer zu Investoren und erwerben einen kleinen Anteil des Unternehmens. Die Unternehmen zahlen den Investoren als Gegenleistung eine Dividende aus – einen Teil des Unternehmensgewinns.

Bei Aktien lassen sich nicht nur mit den Dividenden Rendite machen. Sondern auch durch den Verkauf der Unternehmensanteile, wenn der Wert des Unternehmens und damit der Aktie steigt. Sie eignen sich somit als langfristige wie auch als kurzfristige Kapitalanlage.

Allerdings bergen diese Anlageprodukte Risiken. Entwickelt sich das Unternehmen nicht wie erhofft, kommt es zu Verlusten. Im Extremfall kann eine Insolvenz den vollständigen Verlust bedeuten. Auch Schwankungen von Aktienkursen haben hohe Auswirkungen. Und diese werden stark von den politischen Rahmenbedingungen und der Gesamtwirtschaft beeinflusst.

Aktien gelten als sehr riskant. Aufgrund einer hohen Dynamik der Weltwirtschaft ist die Zukunft einzelner Unternehmen langfristig nicht seriös prognostizierbar. Ein heutiger Weltmarktführer kann in zehn Jahren schon ein Krisenunternehmen darstellen und umgekehrt. 

2. Anleihen: Unternehmen Geld leihen

Bei Anleihen handelt es sich ebenfalls um Wertpapiere. Allerdings um festverzinste Schuldverschreibungen von Unternehmen oder Staaten. Bei dieser Form der Kapitalbeschaffung erwerben die Anleger keine Anteile am Unternehmen wie bei den Aktien. Stattdessen stellen sie Fremdkapital zur Verfügung. Dieses Vorgehen lässt sich mit einem Kredit vergleichen. Der Anleger kauft Anleihen und beteiligt sich damit an der Finanzierung des Projekts. Dafür erwirbt er das Recht auf eine Rückzahlung seiner Investition inklusive Zinsen. Die Gewinne werden also nicht mit Kursschwankungen oder Dividenden erwirtschaftet. Sondern als Zinsen auf das geliehene Kapital. 

Grob wird an der Börse zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen unterschieden. Letzteres wird von den einzelnen Ländern ausgegeben und dienen dem jeweiligen Staat als langfristige Finanzierungsmittel. Unternehmensanleihen werden mitunter emittiert, wenn das Unternehmen keine neuen Aktionäre oder Miteigentümer aufnehmen möchte.

Anleihen sind mit unterschiedlichen Laufzeiten ausgegeben. Diese sind abhängig vom Zeithorizont des Kreditbedarfs. Die Zinsausschüttung kann in regelmäßigen Intervallen oder am Ende der Laufzeit festgesetzt sein.

Anleihen von Unternehmen besitzen in der Regel eine Fälligkeit. Das ist ein gravierender Unterschied zu Aktien. Es genügt für die Anleihe, wenn ein Unternehmen in der Lage ist, bis zur Fälligkeit Zins und Tilgung zu leisten. Ob das Unternehmen darüber hinaus wirtschaftlich erfolgreich ist, spielt für die Rendite des Anleiheinvestors keine Rolle.

3. Fonds: Sicherheit durch Risikostreuung

Fonds richten sich vor allem an Investoren, die langfristig Kapital anlegen möchten. Denn ein Fonds besteht aus vielen verschiedenen Einzelaktien. Zahlen die Anleger in den Fonds ein, wird ihr Kapital an die einzelnen Aktien aufgeteilt. Sie erwerben somit nicht nur Anteile eines, sondern mehrerer Unternehmen. Die Anteile sind geringer und damit auch ihre Dividende. Allerdings findet eine Risikostreuung statt: Macht eine Aktie Verluste, fangen die anderen Investitionen den Verlust auf.

Es gibt auf dem Markt nicht nur Aktienfonds. Auch viele Weitere wie Renten- und Immobilienfonds. Doch welches Anlageprodukt infrage kommt, ist mitunter von der Risikobereitschaft der Investoren abhängig. Sie können in sicherheitsorientierte Fonds investieren, deren Renditechance geringer, aber das Geld ohne große Risiken angelegt ist. Oder mit renditeorientierten Fonds auf hohe Gewinne spekulieren und dafür vermehrt Kursschwankungen in Kauf nehmen. Zu unterscheiden ist außerdem zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds. Bei aktiv gemanagten Fonds entscheidet der Fondsverwalter, in welche Aktien investiert wird. Er kann somit auf das Marktgeschehen reagieren. Die Verwaltung des Fonds verursacht allerdings laufende Kosten bei den Anlegern, die sich negativ auf die Rendite auswirken. Den aktiv verwalteten Fonds gegenüber stehen börsengehandelte Indexfonds, bei denen es keinen Fondsmanager gibt.

Die Dynamik der Weltwirtschaft ist für einzelne Unternehmen eine permanente Bedrohung, auf der anderen Seite ist gerade dies Dynamik ein Grant für die Rentabilität der Gesamtwirtschaft. Insofern ist die Investition in eine Aktie etwas grundsätzlich anderes als eine Investition in einen weltweiten Aktienfonds.

4. ETF: Investition in 'Index'

Exchange Traded Funds oder kurz ETF sind börsengehandelte Indexfonds. Sie funktionieren ähnlich wie traditionelle Fonds, nur werden sie wie Aktien an der Börse gehandelt. Dabei kaufen die Anleger einen Anteil an einem Börsenindex wie DAX oder Dow Jones. ETF versuchen, den Index möglichst genau nachzubilden. Sie folgen einem Wertpapier-Index somit, anstatt ihn überbieten zu wollen.

Bei einem ETF handelt es sich um ein Wertpapier, das jederzeit gehandelt und damit gekauft sowie verkauft werden kann. Dabei ändert sich der Kurs entsprechend des Index laufend. Steigt der Index, steigt der Wert des ETF. Fällt der Index, verliert der ETF an Wert.

ETF sind beliebte Anlageprodukte, da sie als transparente und langfristige Investition gelten. Zudem unterscheiden sie sich in drei wesentlichen Punkten von Investmentfonds: Sie ermöglichen mehr Liquidität, sind verständlicher und günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Der Kostenunterschied zeigt sich in der Rendite. Mit ETF lassen sich auf lange Sicht meist höhere Gewinne erzielen als mit aktiven Fonds.

ETF eignen sich nicht nur für Sparer mit hohen finanziellen Mitteln. Auch bereits kleine Beträge ab 25 oder 50 Euro können in ETF-Sparpläne investiert werden. Außerdem ist dieses Anlageprodukt für Investoren interessant, die ihr Geld sicher anlegen möchten. Denn die Risikostreuung ist bei Exchange Traded Funds noch stärker als bei aktiv verwalteten Fonds.

Ein ETF ist so gut wie sein Index und hier gibt es Licht und Schatten. Anleger sollten auch bei ETF kritisch auswählen, je erfolgreicher diese Produktgattung im Vertrieb wird, desto mehr Indizes werden entwickelt und investierbar, auch wenn diese Indizes aus Sicht des Portfoliomanagements dafür gar nicht geeignet sind.

5. Hebelprodukte: Für Privatanleger das höchste Risiko

Spekulanten, die hohe Risiken in Kauf nehmen, können an der Börse in Hebelprodukte investieren. Dabei handelt es sich um Finanzderivate – Abkömmlinge eines Basiswerts. Das besondere an diesen Produkten ist ihr Hebeleffekt, der eine hohe Rendite mit geringem Kapitaleinsatz ermöglicht. Kaufen Anleger beispielsweise ein Hebelprodukt mit dem Hebel vier, müssen sie nur ein Viertel des Gesamtkapitals selbst aufbringen. Der Rest wird fremdfinanziert. Bei richtiger Markteinschätzung kann der Gewinn damit viermal stärker wachsen als ohne Hebel. Allerdings sind diese Anlageprodukte riskant. Denn auch die möglichen Verluste erhöhen sich um das Vierfache.

Hebelprodukte eignen sich für Investoren, die bereit sind, ein hohes Risiko einzugehen. Die aber auch auf überdurchschnittliche Gewinne setzen. Außerdem richtet sich dieses Anlageprodukt an geübte Anleger, die etwas von der Börse und Investments verstehen.

Hebelprodukte sind eine Form von Wetten. Aber es spielen nicht Laien gegen Laien, sondern Privatanleger gegen Investmentbanker. In der Regel gewinnen die Laien dieses Spiel bislang nicht, aber vielleicht ist das Unternehmen Gamestop ein „Gamechanger“.   

6. Rohstoffe als festes Anlageprodukt

Der Handel mit Rohstoffen wie Gold und Silber findet heutzutage selten in physischer Form statt. Häufiger erfolgt die Investition in Produkte, die eine Verbindung zu dem Rohstoff haben. Viele Investoren mischen ihrem Portfolio gerne einen kleinen Anteil an Rohstoffen bei, da sie nach wie vor spannende Möglichkeiten bieten. Außerdem haben diese eine elementare wirtschaftliche Bedeutung. Sie kommen längst nicht nur als Edelmetalle für Schmuck und in der Medizintechnik zum Einsatz. Sondern als Industriemetalle wie Kupfer und Zink. Auch nachwachsende Rohstoffe wie Soja, Mais und Baumwolle sowie Energierohstoffe (Öl und Gas) sind gefragt.

Jenseits der Edelmetalle werden Rohstoffe in der Regel über Futures gehandelt. Futures sind Hebelprodukte mit den entsprechenden Nachteilen für Privatanleger.  

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